Vor 60 Jahren wurden die Todeslager der Nazis von den Alliierten befreit. Damals hat die Welt das Grauen in seiner abscheulichsten Form kennen gelernt. Kaum war der Albtraum langer und schmerzvoller Kriegsjahre vorüber, sahen die Völker aus eigener Anschauung das unbeschreibliche Bild dessen, was der Mensch an Schlimmstem hervorzubringen vermag.

 

Dieses Inferno, unvorstellbar und unerklärlich – Jacques Rozenberg wird es erleben. Und überleben. Um stellvertretend für all die anderen Zeitzeuge sein zu können …

 

Zu Beginn der 40er Jahre war Jacques Rozenberg einer jener Jugendlichen, die beschlossen hatten, Besatzung und Nazismus eine Absage zu erteilen, indem sie sich der Beschlagnahme von Freiheit und Demokratie widersetzten.

Nicht, dass sie sich als heldenhafte Seelen gefühlt hätten. Ihr Leben verlangte nicht mehr, als seinen gewohnten Gang zu gehen …

Für Jacques war das Leben Musik, die Geige. Nicht Krieg!

Doch die Umstände haben anders darüber entschieden und seine Handlungen diktiert.

 

Die Untergrundpresse setzte ihren Willen zum Widerstand in die Tat um. Widerstand zu leisten war jedoch nicht ungefährlich. Der Besatzer hat ihn teuer dafür bezahlen lassen: mit zwei Jahren Vernichtungslager und dem Todesmarsch …

 

Widerstand leisten. Auch in unserer Zeit gibt es zahlreiche Gründe, ‘in den Widerstand’ zu gehen.

Heißt es nicht, die Geschichte sei ein ewiger Neubeginn?

Gewisse Übel, an denen unsere Gesellschaft gekrankt hat, haben die tückische Neigung, uns in anderer Form wieder zu begegnen. Und jedes Mal muss unerbittlich gegen sie vorgegangen werden.

 

Der Verlauf der Geschichte zeigt, dass nicht einzuschreiten teuer zu stehen kommen kann …

 

Der Rechtsextremismus schottet sich – immer noch und immer wieder – ab, um die Schwächen von Globalisierung, Ungleichheiten und Unrecht wie Dämonen zu bekämpfen! Wie schon 1940 gibt es viele Gründe, nein zu sagen …

Besonders die Jugendlichen – als die Erwachsenen von morgen – haben die Aufgabe, sich für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft einzusetzen. Jeder junge Mensch kann in seinem Umfeld sein Steinchen zum Aufbau einer besseren Welt beitragen!

 

Wenn wir wollen, dass unsere Jugend auf diese Weise Bürgersinn entwickelt und die Zukunft der Demokratie gewährleistet, muss sie dazu angehalten und in der Rolle unterstützt werden, die sie in der Gesellschaft spielen kann.

 

Dabei stellt die Schule unzweifelhaft einen Ansatzpunkt dar. Jacques Rozenberg hatte das erkannt und dort über viele Jahre als Zeitzeuge gewirkt.

Als Bildungsministerin lege ich großen Wert darauf, dass die Schule den Schülern Bürgersinn und Respekt vor demokratischen Werten vermittelt.

 

Das vorliegende Werk dient fraglos diesem Ziel. Eine gerechte Sache anhand eines Lebenslaufs wie dem von Jacques Rozenberg darzustellen, erweist sich in der Tat als fruchtbar: Menschen, die mit einem innerlich bewegenden Erlebnis konfrontiert werden, sind stärker ergriffen.

Dies weckt bei den heutigen und künftigen Generationen dann Inspiration und Reflexion.

 

Bei vielen Jugendlichen rufen die Namen Auschwitz oder Dachau nicht das ganze Ausmaß des damals Geschehenen wach.

Das ist schlimm. Es ist vor allem beunruhigend in einer Zeit, in der die Extremismen verschiedenster Couleur als immer bedrohlicher erfahren werden …

Zu einem Zeitpunkt, da die letzten Weggefährten von Jacques Rozenberg dahingehen, ist es wichtiger denn je, die Flamme der Erinnerung anzufachen und wachsamer zu werden!

 

Die Ministerpräsidentin der Französischen Gemeinschaft Belgiens

Ministerin der belgischen Föderalregierung mit den Ressorts Pensionen, soziale Integration und Großstädte seit März 2008

 

Marie ARENA