Markus Meckl

 

In Erinnerung an Jacques

Es sind die Geschichten, die bleiben. Geschichten, mit denen Jacques stets aufs Neue versuchte, sein Leben in Worte zu bringen und mir verständlich zu machen. Geschichten, wie die von seiner Mutter, die den Krieg im Versteck überlebt hatte und ihren Sohn Jacques nach dem Krieg bis an ihr Lebensende täglich zur Mittagspause aufsuchte, um zu sehen, ob er wirklich zurückgekehrt sei.

Die meisten seiner Erzählungen fingen irgendwann nach dem Krieg an und brachten ihn doch immer wieder auf die Jahre im Lager zurück. Es gab auch andere Geschichten, wie die von seiner ersten Demonstration als Säugling auf den Armen seiner Mutter gegen die Hinrichtung von Sacco und Vanzetti. Geschichte von der Notwendigkeit sein Leben für eine bessere Welt zu leben.

Es waren Geschichten vom Leben, vom Überleben und der Liebe, Geschichten, die mir zu verstehen gaben, dass das Leben für eine bessere und gerechtere Welt gelebt werden soll und dass dieser Kampf für eine gerechte Welt ohne die Liebe sinnlos geführt wäre. Es sind viele Dinge, die mir in Erinnerung bleiben, seine grenzenlose Bejahung des Lebens, sein Mut und Trotz gegen die Widrigkeiten des Daseins und seine Liebe zur Musik.

Ich denke oft an sein Lächeln.

Dr. Markus Meckl
Universität Akureyri
Island

Damals junger deutscher Zivi der Aktion Sühnezeichen-Friedensdienste
bei der Auschwitz-Stiftung in Brüssel